Zwischen Nord- und Ostsee – Radreisen entlang des Götakanals

Sanft ziehen sich bis zum Horizont hügelige Landschaften hin, das schier endlose Grün Südschwedens vereint sich mit dem Gelb der Rapsfelder und wird auf über 390 Kilometern von einem schmalen blauen Band unterbrochen: Dem Götakanal. Vormals als seemeilensparende Handelsroute konzipiert, ermöglicht er Besuchern auf Radreisen in das Herz Skandinaviens vorzudringen und den Liebreiz der nordeuropäischen Natur zu erleben. Auf Radtouren entdeckt man idyllische Kleinode, schmucke Städte und erreicht die Ufer der größten Seen des Landes. Am Vänern und Vättern öffnet sich der eigentlich nur gut sieben Meter breite Kanal und ermöglicht Fahrradfahrern einen Sprung ins kühle Nass zu unternehmen oder via Kajak die Seen zu erobern.

Romantisch verklärt und doch vom technischen Fortschritt des 19. Jahrhunderts erzählend, markieren die Schleusen unweit der Stadt Linköping einen Höhepunkt der Radreisen. Auf den sieben Stufen der Carl-Johans-Schleusen finden die zumeist nostalgischen Schiffe ihren Weg aus dem See Roxen hinunter zum lokalen Yachthafen und bieten dabei unvergessliche Impressionen. Als würden die Boote eine riesige Treppe erklimmen, bewegen sie sich gleichsam auf Schienen durch Schwedens Landschaften. Unmittelbar nebenan lockt kulturell Interessierte das älteste Kloster des Landes. Die Ruinen des Konvents Vreta und das Gebäude der gleichnamigen, noch dieser Tage intakten Kirche bilden gerade in den Abendstunden ein stimmungsvolles Fotomotiv.

Entlang des Götakanals führt ein hervorragend ausgebauter Radweg, der neben den 58 Schleusen auch zwei Trogbrücken passiert und die kleinste Fähre Europas erleben lässt. Nach regulärem Fahrplan verkehrend, nimmt die Fähre „Lina“ Fußgänger und Radfahrer auf und befördert sie für 50 Öre auf die andere Seite des Kanals. Im angrenzenden Städtchen Töreboda laden Straßencafés zum Verweilen ein und mit ein wenig Glück sieht man das berühmteste Dampfschiff der Götakanal-Flotte an sich vorüberziehen: Die Juno. Als weltweit dienstältestes Passagierschiff kreuzt sie seit 1874 durch schwedische Gewässer und meint nicht nur für Freunde nostalgischer Boote ein optisches Highlight.